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Statement Marlene Goeth zum "Roten Bau" im Hospitalrat vom 14.11.2011

Der Rote Bau - eine unendliche Geschichte. Umstritten schon der Bau 1866, umstritten der Kauf des unvollendeten Gebäudes durch den Hospital 10 Jahre später, umstritten der Rote Bau heute.
Ist der Bau nun ein wertvolles Denkmal, das um jeden Preis - im wörtlichen Sinne - erhalten werden muss, oder handelt es sich um einen klobigen Klotz, der noch nie in unsere Landschaft gepasst hat und endlich abgerissen werden soll? Die Geister der Biberacher scheiden sich, nach unserer Erfahrung etwa fifty-fifty. Es ist keineswegs so, dass alle Bürger den Erhalt wollen.
Nun, es gäbe gar keinen Grund für eine Abriss-Debatte, wenn eine einigermaßen rentierliche Nutzung des Gebäudes in Sicht wäre. Bereits 1980 wurde ein Abrissantrag gestellt und seither dümpelt das Gebäude mit diversen Zwischennutzungen einzelner Stockwerke vor sich hin.
Jahr für Jahr war der Rote Bau Thema in Gemeinderat und Hospitalrat. Von wegen Überrumpelung, von wegen Nacht- und Nebelaktion! Wer das behauptet, hat die letzten 10 Jahre Kommunal¬politik verschlafen. Alle erdenklichen Nutzungszwecke wurden geprüft und durchgerechnet. Allein in den letzten zwei Jahren hat der Hospital über 100.000 € für Pläne und Entwürfe ausgegeben. Hospitalverwalter und Hospitalrat haben sich intensiv um eine Nutzung bemüht. Aber alle Untersuchungen bringen dasselbe Ergebnis: Der Rote Bau ist ein Millionengrab. Seit Jahren fallen allein Heizkosten in Höhe von jährlich 30.000-35.000 € an, da man die Heizung nicht abschalten kann, weil man sie anschließend nicht wieder in Gang kriegt. Was hätte man allein mit diesem Geld alles anstellen können!
Was also ist zu tun? 
Die FW haben schon im April 2010 den Antrag gestellt, den Denkmalschutz aufzuheben, um damit mehr Flexibilität bei einer möglichen Nutzung zu haben. Die FW haben nie einen Abrissantrag gestellt. Das ist in der Vorlage schlicht falsch.
Anfang 2011 hatte es eine Idee für eine Archivnutzung zu vertretbaren Kosten gegeben. Aber das Denkmalamt hat die Pläne abgelehnt. 
Am Ende bleibt nur noch der Abriss. Die Hospitalstiftung darf aufgrund ihrer Stiftungssatzung keine Gelder in ein Gebäude pumpen, für das keine auch nur einigermaßen rentierliche Nutzung in Sicht ist.
Nun kann man das Gebäude natürlich der Stadt aufs Auge drücken. Die Stadt hat ja Geld, heißt es. Aber auch die Stadt kann den Euro nur einmal ausgeben. Soll sie auf den Bau eines Jugendhauses oder den Bau eines Gemeinschaftshauses in Rissegg oder den Bau einer Turnhalle in Mettenberg verzichten und die Gelder stattdessen in der Roten Bau stecken? Welche Zuhörerschaft würde dann den Ratssaal bevölkern? Auch der Gemeinderat ist zum wirtschaftlichen Umgang mit Steuergeldern verpflichtet.
Biberach ist eine wohlhabende Stadt, aber die Wünsche der Bürger bringen selbst das wohlhabende Biberach an seine Grenze.
Die FW haben ihren Antrag von 2010 weiterentwickelt, auch mit dem Ziel die Bürger in der Entscheidung mitzunehmen, die Hintergründe verständlich zu machen. Vielleicht gibt es ja noch eine letzte Rettung für den Roten Bau. Wenn, wie wir schon einmal beantragt haben, der Denkmalschutz des Gebäudes aufgehoben oder zumindest gelockert wird, könnten pfiffige Architekten vielleicht doch noch eine Lösung finden, bei der, auch wenn es weh tut, in die innere Substanz des Gebäudes eingegriffen wird. Unkonventionelle Ideen sind gefragt - wie wäre es mit einem Jugendhaus in der einen, einer Kletterhalle in der anderen Hälfte des Baus? Aber bitte keine Nutzung, bei der viele Parkplätze nötig sind, denn die haben wir dort nicht, und auch keine Versammlungs- und Ballräume, die brauchen wir nicht. Und dann muss man auch noch die enge Nachbarschaft zu Pflegeheim und Altenwohnungen berücksichtigen. Eine Diskothek wäre auch nicht der Renner.
Wenn aber nach längstens 9 Monaten immer noch keine Lösung in Sicht ist, bleibt nur noch der Abriss. Das müsste zum einen das Denkmalamt überzeugen, zum anderen auch denkmalbewusste Architekten, die die eine oder andere Stuckdecke eben opfern müssten im Interesse des Gebäude-Erhalts. 

Wir bitten um Zustimmung zu unserem Antrag, der aus unserer Sicht letzten Chance für das Gebäude.