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Leerstände: "9 Prozent plus X"

BIBERACH - Die Freien Wähler und Unabhängigen Bürger hatten am Dienstagabend zu einer Podiumsdiskussion zum Thema "Innenstadt in Not" geladen.

Von der SZ-Redakteurin Gabi Ruf-Sprenger

Gekommen waren etliche Biberacher Geschäftsleute, Gemeinderäte und einige interessierte Bürgerinnen und Bürger. Auf dem Podium saßen Oberbürgermeister Thomas Fettback, Inge Voss, Leiterin des Biberacher Stadtmarketings, Günter Warth für die Werbegemeinschaft Biberach, Reinhold Hummler, der zweite Vorsitzende der UB und (gemeinsam mit Marlene Goeth) Moderator der Veranstaltung, Hans Raabe von der Industrie- und Handelskammer Ulm sowie Ute Hirschburger, Geschäftsführerin vom Europäischen Institut Libertas.

Oberbürgermeister Fettback erklärte zu Beginn der Veranstaltung: "Biberach steht gar nicht so schlecht da im Vergleich zu anderen Städten. Nichts desto trotz besteht Handlungsbedarf." Die Leerstände in der Innenstadt seien ein vielschichtiges Problem, das differenzierter Lösungsansätze bedürfe. Laut Statistik liege Biberach an zweiter Stelle hinter Ulm, was die Höhe der Mieten in der Innenstadt anbelange. Die Möglichkeiten der Stadt Einfluss auf die derzeitige Entwicklung zu nehmen, lägen in den Bereichen Parkplätze, Parkgebühren, ÖPNV, Gestaltung der Innenstadt, Kultureinrichtungen und Dienstleistungszentren in der Innenstadt, Umgehungsstraßen und der Ausweisung von Wohngebieten.

Stadtmarketing-Leiterin Inge Voss ging konkret auf die leerstehenden Ladenlokale in der Innenstadt ein. Diese wurden dokumentiert und belaufen sich derzeit auf 2 600 Quadratmeter. Dies seien etwa "9 Prozent plus X" (da das Kaufhaus X darin nicht enthalten ist) der gesamten Verkaufsfläche in der Innenstadt. Das Problem betreffe vor allem die Randlagen. Hier dürften Immobilienbesitzer und Vermieter durchaus innovativer sein und etwas mehr in ihre Objekte investieren, so Inge Voss. Um das Einkaufen in der Stadt attraktiver zu gestalten, wird es bald eine City-Card, die sogenannte "Biber-Karte" geben - eine Bonuskarte, welche die Treue der Kunden zur Einkaufsstadt Biberach belohnen soll.

Günter Warth ging kurz auf die Situation des Einzelhandels ein und erklärte, dieser befinde sich in der bislang schlimmsten Krise seit der Nachkriegszeit. Dennoch gehe es den Händlern in Biberach noch vergleichsweise gut. Zum Kaufhaus X sagte er: "Eine solche Verkaufsfläche erfolgreich zu betreiben ist derzeit schlicht unmöglich." Investoren seien ausschließlich an großen ebenerdigen Verkaufsflächen interessiert. Warth: "Hennes und Mauritz gehen nicht ins Kaufhaus X oder ins Steigerlager." Aber nicht deshalb, weil die Werbegemeinschaft dies nicht wolle, wie oft unterstellt werde, sondern weil diese Flächen schlicht ungeeignet seien. Warth: "Wir müssen damit leben, dass wir Ladenleerstände haben, daran wird sich in den nächsten Jahren auch nichts ändern. Allerdings sollten wir diese Leerstände etwas kaschieren, indem die Schaufenster dekoriert werden." Er nannte hier als Beispiel das Nägele-Haus. Auch sollte Positives noch deutlicher hervorgehoben werden: z. B. die "sensationell günstigen Parkgebühren in Biberach".

Hans Raabe von der IHK lobte die Handelspolitik der Stadt: "Sie war und ist gut." Allerdings sah auch er nur in einem Bereich positive Zuwächse, nämlich im Bereich der Fachmärkte. OB Fettback dazu: "Dass OBI nach Biberach kommt, ist ein Glückstreffer." Ute Hirschburger wies darauf hin, dass vom Stadtmarketing keine Wunder zu erwarten seien und sprach ausführlich über das Thema City-Management.

Aus dem Publikum kam von Horst Gutermann die Kritik, es fehle der Stadt an Liebenswürdigkeit: zu wenig Blumenschmuck und zu wenig Licht am Abend. Er kritisierte auch seine Kollegen im Handel. Diese würden zu sehr an der Beleuchtung ihrer Schaufenster sparen. Marianne Specht meinte, es werde zuviel schöngeredet. Tatsächlich sei es längst fünf Minuten vor Zwölf. Sie bemängelte das fehlende Ambiente des Marktplatzes. Karl-Heinz Freudigmann wollte wissen, ob es schon Ideen gibt, die künftigen Gäste des neuen Jordanbades nach Biberach zu locken.

Am Ende der Veranstaltung meinte Oberbürgermeister Fettback: "Wir sind gut, aber wir können besser werden. Uns wandert bisher noch zuviel Kaufkraft in die Oberzentren Ulm und Ravensburg ab." Und er verriet: "Die Pläne zum Abriss des Kaufhaus X liegen in der Schublade. Wir warten nur noch auf einen entsprechenden Investor."

(Stand: 19.03.2003 23:30, Quelle: Schwäbische Zeitung)